Archive für 12.5.2011

Hafengeburtstag

Obwohl ich schon 31 Jahre pensioniert bin, erhielt ich zum Hafengeburtstag am 8.Mai eine Einladung auf die Fregatte Sachsen. Da der ganze Hafen mit allen Zufahrten abgesperrt war, gab es keine Möglichkeit, mit dem Taxi in die Nähe der Pier zu kommen. Meine Tochter fuhr mich und versuchte es mit Charme: “Mein Vater ist 87 und kann so weite Strecken nicht laufen”. In einer Nebenstraße ließ sich ein Polizist erweichen. Unvermutet führte der Weg direkt bis zum Anleger. Gedränge auf der Stelling. Dann stehe ich vor dem Kommandanten und melde mich an Bord. Es ist wie in alten Zeiten. Junge frische Gesichter, Fähnriche und Leutnante. Besonders hübsch sind die weiblichen Offiziere. Nur Mannschaften wollen die Damen nicht sein. Gleichberechtigung ist ja auch nur in den höheren Ebenen interessant. Jede Menge Kuchen und  Kaffee. Aber die Schlange vor der Ausgabe ist mir zu lang.  Eine Bank an der Seeseite verlockt zum Sitzen mit Blick auf die Parade der Großsegler. Aber als die ersten Schiffe kommen, verschwindet die Sicht aufs Wasser hinter den wohlgeformten Hintern von Damen, die sich vor mir an die Reling drängeln. Ist nichts mit Sitzen. Ich muss mitdrängeln. Trotz günstigem Wind, werden kaum Rahsegel gesetzt. Man wäre wohl zu schnell. Trotzdem ein stolzes Bild !  Die Feuerlöschboote sprühen Fontainen. Die Kreuzfahrtschiffe erschrecken die Zuschauer mit gewaltigen Sirenentönen. Hinter mir singt ein Shanty-Chor den “Hamburger Veermaster!”  Ein nostalgischer Tag im Ruhestand.  Aber bevor das Gewimmel sich auf den Heimweg macht, gehe ich schon mal vor. Man glaubt nicht wie lang ein kurzer Kilometer zur U-Bahn werden kann, wenn die Beine 87 sind. Am Rathaus steige ich um und nehme eine Taxe.  Es war ein schönes seemännisches Erlebnis.  Ich wär so gerne noch dabei !

|