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Archive für 19.2.2011
Zitat zur Gorch Fock
19.2.2011 by bruno.
Zitat
Kapitän zur See Hans Engel, Kommandant der GORCH FOCK, am 21.09.1964in „Rahsegler im Rennen“, Verlag Duburger Bücherzentrale, Flensburg 1965
„…Welches sind nun die Ausbildungswerte, die gerade fortschrittliche Länder veranlassen, den Großsegler in einer Zeit schneller Technisierung verstärkt einzusetzen?Wesentlich für die Ausbildung auf einem Großsegler ist der längere Seetörn, der über kurzfristiges Interesse an etwas Neuem hinaus zu Beständigkeit und Ausdauer zwingt, der über einen kurzen Einblick in das Uhrwerk der manuellen Funktionen hinaus disziplinierte Arbeit aller bis zur Beherrschung des Ganzen fordert. Kaum anderswo wird die Bedeutung des Teamworks jedermann derart eindringlich, unmittelbar und in seiner Wirkung sofort erkennbar vor Augen geführt, während zugleich die Verantwortung jedes Einzelnen für Leben und Sicherheit seines Nebenmanns und der Besatzung klar wird. Eine solche Lage ist den meisten Leuten heute völlig fremd. Im individualistischen Nebeneinander von Schule und Konsumgesellschaft groß geworden, die reichhaltigen Errungenschaften der Gesellschaft selbstverständlich benutzend, ohne schon etwas für sie getan oder die Notwendigkeit dazu genügend bedacht zu haben, werden sie plötzlich vor Aufgaben gestellt, die ihnen ihre Grenzen aufzeigen, die sie körperlich und als Persönlichkeiten fordern und die mit sporadischen Einzelspurts nicht zu lösen sind. Sie erkennen ihre eigenen Möglichkeiten und Schwächen und die der anderen und begreifen mit einem ganz neuen, sie bewegenden Staunen, was man in Gemeinsamkeit alles erreichen kann. Zugleich lernen die im Zeitalter der Motorisierung körperlich unzureichend trainierten jungen Männer, die meisten zum ersten Male in ihrem Leben, richtige Knochenarbeit kennen (wenn auch nicht so viel, wie sie hinterher gerne erzählen).Arbeit in luftiger Höhe, aber auch die an besonders verantwortlicher Stelle an Deck, fordert anfangs Überwindung menschlicher Schwäche, bildet (und scheidet) die Charaktere, zwingt zu umsichtigem Vorausdenken, sicherem Griff und Körperbeherrschung, gibt mit der Zeit innere Sicherheit und gesundes Selbstgefühl. »Seebeine« wachsen einem auch anderswo, aber nichts schärft alle Sinne so für die Erscheinungsformen der Natur, als wenn man sich nur mit ihrer Hilfe und eigener Hände Kraft fortbewegt und sich ständig gegen sie behaupten muss. Gleichzeitig wachsen — unmerklich —Wachsamkeit, Entschlusskraft, Verantwortungsgefühl: alles Eigenschaften, die auf See, vor allem für den Führer auf See, unentbehrlich sind…“
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