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Archive für 30.10.2010
Verlobung vor 66 Jahren
30.10.2010 by bruno.
Um sich verloben zu können, muss eine Dienstreise her, denn der Urlaubsanspruch ist vertan.Im Ratskeller bekommt der II. WO die Adresse von einem einflussreichen Beamten in Posen. Bei dem gäbe es bestimmt Möglichkeiten, Wehrbetreuungsmaterial für das Boot abzustauben.Am 27. Oktober treffen der Torpedogefreite Kaiser und ich in Posen ein. Kaiser hat auch ein Mädchen hier und ist mir gern behilflich, das Wehrbetreuungsmaterial nach Bremen zu transportieren. Aber erstmal müssen wir es besorgen. Der Abend gehört zunächst den Verliebten. Am nächsten Tag habe ich meinen Termin im Posener Schloss. Ich versinke in den dicken Teppichen auf den Gängen. Rosa Marmor umgibt mich und wertvolle Bilder hängen an den Wänden. Der politische Leiter in der Uniform der Goldfasane, wie wir in der Marine spötteln, genießt meine Bewunderung. Ich bekomme meine Bezugscheine für Schallplatten und ein großes Blaupunktradio. Es ist so viel, dass ich froh bin, einen Soldaten mit zu haben. Wir beschließen, die Dienstreise um einen Tag zu verlängern.Am 29.Oktober ist Verlobungsfeier. Es wird alles aufgefahren, was man in Posen noch an Wein und edlen Speisen auftreiben kann. Wir feiern ein unbeschwertes Fest.Zurück in Bremen ist dicke Luft. „Mensch, Zwo WO, sie sind einen Tag zu spät, Der Alte und der Kompaniechef des Lagers springen im Dreieck.“Ich baue mich vor der Tür des Kompaniechefs, der mir die Dienstreise genehmigt hat, auf. Hinter mir der Gefreite Kaiser mit dem Blaupunkt.„Leutnant zur See Brunowsky meldet sich gehorsamst von Dienstreise zurück. Verzögerung, weil wir Gelegenheit hatten, noch dieses Gerät für das Lager Vegesack mitzubringen, das erst gestern lieferbar war.“Der Anschiss bleibt dem Kaleu im Hals stecken. „Ist ja phänominal, Brunowsky! Wissen sie was, stellen sie den Apparat gleich hier in mein Dienstzimmer. Meinen Volksempfänger können sie für die Messe mitnehmen.! Verlängerung der Dienstreise hiermit genehmigt!“
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