Archive für 17.3.2008

Aufklärung vor 150 Jahren

Auch in delikaten Situationen suchten die baltischen Barone geistlichen Beistand bei ihren deutschen Dorfgeistlichen. Es wurde erst sehr spät konfirmiert  im Baltikum. Wir waren meist schon achtzehn Jahre alt, wenn man uns in die Gemeinde aufnahm.Nach so einer Konfirmation nahm sich der Probst den Baron  beiseite und sagte mit besorgter Stimme:„Mein lieber Baron! Ihr Junge ist ja jetzt schon fast erwachsen. Ich glaube es wird Zeit, daß sie ihrer Vaterpflicht jenügen und den Sohn auch über die Beziehungen zwischen Mann und Frau aufklären, damit er nicht eines Tages  von zweifelhaften Personen verdorben wird!“„Aber lieber Probst!  Das ist doch unmöglich. Über so unanständige Sachen kann man doch als Vater nicht mit seinem eijenen Fleisch und Blut reden:  Wie soll ich denn das anfangen?“„Das ist sicher eine heikle Aufgabe, der man bei so einer unschuldigen Knabenseele nur mit Feingefühl und viel Takt gerecht werden kann.  Am besten sie fangen mit dem Beispiel von den Bienen und den Gänseblümchen  an. Dann erzählen sie dem Jungchen, wie die Schmetterlinge sich vermehren. Und schließlich gibt es ja Gelegenheiten genug, auch beim Geflügel aus der Beobachtung zu lernen und zu erklären, was Hahn und Henne da so machen.!“  Tags darauf nimmt sich der Baron ein Herz und ruft seinen Sohn ins Arbeitszimmer.„Der Probst hat mir jesagt, ich solle dich aufklären.  Du wirst verstehen, daß es mir wahnsinnig peinlich ist, mit Dir über sowas zu sprechen. Aber vielleicht kann ich es Dir an einem Beispiel deutlich machen:Erinnerst du dich noch an ansere Fahrt im vorigen Sommer durch die unendlichen Wälder bei Werro?“„Ja, Papachen!“„Weißt du noch, wieviel herrliche Blaubeeren damals am Wegrand standen?“„Ja Papa!“„Wir sahen doch damals so ein paar Zigeunermädchen beim Beerenpflücken zu. Weißt du noch, was wir mit diesen beiden Zigeunerinnen jemacht haben?“  “Ja, natürlich Papa!“ „Siehst Du, mein Junge, und jenau so vermehren sich die Schmetterlinge!“ 

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